Markgräfer Tagblatt 26.05.2017


Wetteifern um die Publikumsgunst

Der Theatersportabend in Weitenau, bei dem sich auf der Bühne die Basler Impronauten und die Markgräfler Dramenwahl gegenüberstanden, war wieder ein voller Erfolg. Unser Bild zeigt Barbara Deubelbeiss und Adrian Moor. Foto: Jürgen Scharf
Der Theatersportabend in Weitenau, bei dem sich auf der Bühne die Basler Impronauten und die Markgräfler Dramenwahl gegenüberstanden, war wieder ein voller Erfolg. Unser Bild zeigt Barbara Deubelbeiss und Adrian Moor. Foto: Jürgen Scharf
Improsport ist schweißtreibend. Das Wort „Sport“ ist bei Improvisations-theater nicht verfehlt, denn „Theatersport“ ist eine der schwierigsten Formen des Theaters.

 

Von Jürgen Scharf

 

Steinen-Weitenau. Das liegt zum einen an der Spontanität, dass man auf den anderen reagieren muss, dabei immer den gedanklichen Faden behalten sollte, dass kein Spieler weiß, was auf ihn zukommt und dass der Ausgang des Gefechts offen ist.

Die Basler „Impronauten“ und die Markgräfler „Dramenwahl“ sind geübte Theatersportler, die solche Aufgaben spielend lösen können. In Weitenau haben sie das nicht zum ersten Mal gezeigt. Da sind sie alle zwei Jahre zu Gast beim Gesangverein „Harmonie“ in der Gemeindehalle, jetzt zum fünften Mal unter dem Titel „Kabarettli mit Flair“.

 

Wieder war der Gesangverein der Ausrichter und hat dieses Improsport-Ereignis in der proppenvollen Halle mit Bewirtung auf die Beine gestellt. Der Gesangverein Weitenau ist übrigens der einzige Chor, der bei seinen Konzerten Impro-Moderationen macht. Und man hat eine Vorliebe für diese sportive und witzige Theaterform.

 

Das neuerliche Improtheater-Treffen war ein Wettstreit Deutschland gegen die Schweiz, der Schauplatz Weitenau gegen den Rest der Welt. Da man bei dieser Art von Theatersport um die Gunst des Publikums und Punkte wetteifern muss, war es ständig ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Theatergruppen,

 

Vier Spieler standen auf der Bühne (Lokalmatador Guido Chudoba war allerdings erkrankt) und das Publikum konnte Vorschläge machen, was gespielt werden soll. Das reichte von „Gerichtsvollzieher“ bis „Handarbeitslehrer“. Adrian Moor von den Impronauten musste heiteres Beruferaten machen und sich als „Strickliesel“ outen. Zuvor hatte Andreas Schurig von Dramenwahl, der auch als Moderator und Animateur fungierte und Mitglied beider Gruppen ist, Selfies vom Saal für den erkrankten Kollegen gemacht.

 

Zuerst traten die Impronauten, mit rotem Schriftzug auf dem Shirt, gegen die Dramenwahl in Blau-Schwarz an. Erstere in einem Sketch über Hunde-Schamponieren, zweitere als Klempner, die alles unter Wasser setzen, eine Überschwemmung anrichten und durchs Kellerfenster abtauchen – begleitet vom Pianisten Christoph Müller mit plätschernder Wassermusik.

Nach dem „Warm-up“ mit Gegenständen von Zuschauern wie dem „Dregg-Sagg“ ging es dann Schlag auf Schlag. Eine „Gerechtigkeitsbeauftragte“ aus dem Publikum führte an einer Tafel Buch über die Punktzahlen. Schon nach den ersten Szenen war die richtige Betriebstemperatur bei diesem Stegreif-Spiel. Es wurde von Mal zu Mal lustiger und ekstatischer auf der Gefühlsachterbahn.

Eine absolute Klasse-Szene war das Durchspielen verschiedener Genres: Da hieß es Agatha-Christie-Krimi gegen Shakespeare, Arsen und Spitzenhäubchen vs, Macbeth, Kafka kontra Astrid Lindgren. Barbara Deubelbeiss und Claudia Schurig spielten als Lady Mcbeth und ihre Zofe groß auf.

 

Punkten konnten die Theatersportler nach der Pause mit der „besonders langweiligsten Szene“, die aber eine besonders heiße und aktuelle war und ausgerechnet von der Eröffnung des neuen Zentralklinikums handelte.

Viel Spielwitz hatten auch die drei vielversprechende Anfänge von Geschichten zum Thema „Der Zarte und der Harte“ mit den letzten Minuten im Zeitraffer. Zum Schluss gab es dann noch kurze Szenen. Da machte sich das Improtheater Gedanken, was man in zwei Minuten auf die Bühne bringen kann. Und war dankbar für das Stichwort „Sturzgeburt“ mit gespielten Wehen als Western.

 

Am Ende stand ein Patt. Und das war so auch verdient und eine „salomonische Entscheidung“ des Publikums.

„Theatersport“ ist eine der schwierigsten Formen des Theaters."