Badische Zeitung 18.03.2018


Die Impronauten aus Basel - Bericht in der Badischen Zeitung
Absurd und urkomisch: Die Impronauten aus Basel laufen im Dorfstübli zur Hochform auf und beziehen die Zuschauer in ihr Programm gekonnt mit ein. Man muss sie erlebt haben. Foto: Robert Bergmann

Eine Menge Nonsens,                        aber der ist sehr gekonnt

Der Auftritt der Impronauten im Maulburger Dorfstübli strapazierte die Lachmuskeln der Besucher / Ideen des Publikums werden aufgegriffen und umgesetzt.

MAULBURG (BZ) Am kommenden Freitag, 16. März, gastieren die bekannten Basler "Impronauten" mit ihrem turbulenten Improvisationstheater ab 20 Uhr im Maulburger Dorfstübli. Die Impronauten bieten ihrem Publikum seit 2003 professionelles Improvisationstheater. Dabei stürzen sie sich nach den Vorgaben des Publikums in jedes verrückte Abenteuer. Sie erforschen Schneckenhäuser bis zur innerstern Windung, zünden Tischbomben am Staatsbegräbnis und lassen sich von nichts einschüchtern. Im Improvisationstheater gilt: Jeder Satz ein Aufbruch ins Unbekannte, jede Szene eine neue Welt. Inspiriert durch Ideen aus dem Publikum,MAULBURG. Bauer Meyer und sein gackerndes Huhn Berta, einen würgenden Horrorbusch oder auch den längst vergessenen Song "Öko" im Stil von Abba: All das und noch viel mehr brachten vier aus Basel angereiste Impronauten am Freitagabend im Maulburger Dorfstübli auf die Bühne. Das schräge Improvisationstheater erwies sich als überaus gekonnter Überraschungsangriff auf wehrlose Lachmuskeln, der es in sich hatte.

Wegducken gilt nicht, stellte Impronaut Andreas Schurig von Anfang an klar und brachte damit das im Dorfstübli versammelte Volk – besonders herzlich wurde die aus Steinen herbeigewanderte Gruppe des Schwarzwaldvereins begrüßt – gleich mal auf Linie. Das Publikum ist schließlich integraler Bestandteil einer jeden Impronauten-Show. "Ihr müsst euch was wünschen und wir improvisieren das dann für euch", erläutert Schurig die klare Arbeitsteilung zwischen denen auf und jenen vor der Bühne. Und so geschah es dann auch während dieses denkwürdigen, zweistündigen Abends mit Andreas Schurig, Guido Chudoba, Barbara Deubelbeiss und Johanna Löffel. Fans der Impronauten – deren Stammsitz das Basler Fauteuil-Theater ist – waren diesmal sogar aus Belgien angereist.

Nur um das vorab mal klarzustellen: Improvisationen sind unvorhersehbar – wie der Name schon sagt. Unvorbereitet aber sind die Szenen keineswegs, die Schauspieler schöpfen aus einem reichen Repertoire und haben natürlich jede Menge Erfahrung, was da an Wünschen so kommen könnte. "Man muss für alles offen sein, was einem das Publikum und der jeweilige Improvisationspartner anbietet", lüftet Langzeit-Impronaut Guido Chudoba ein kleines Geheimnis guter Improvisation. Und natürlich gibt es auch einen festen Rahmen und feste Formen in dieser Art des Theaterspiels.

Da sollen zwei Impronauten gemeinsam eine Hundehütte bauen – so fordern es die Zuschauer. Pantomimisch wird die Bohrmaschine angesetzt, irgendwann kommen die Hunde dazu. Die Dialoge finden in einer festgelegten Anzahl Worte statt. Regisseur ist ein Zuschauer, der das Spiel jederzeit unterbrechen darf. In sechs Worten etwa lässt sich der durchaus noch kluge Satz "Jetzt wird es schwierig mit dem" fabrizieren. Mit nur einem Wort – höchstens noch ein "Gut" oder ein "Wuff". Im Ergebnis entsteht eine mimisch untermalte Unterhaltung von seltener Dämlichkeit und zugleich von hohem Unterhaltungswert.

Zur Höchstform laufen die Impronauten nur wenig später auf, während sie spontan den von ihnen geforderten Heimatroman "Das schöne Dorfstübli" inszenieren. Bauer Meyer ("ein typischer Maulburger"), das gackernde-flatternde Huhn Berta und eine fiese Dame, die mit dem Abrissbagger anrückt, schließlich aber mit geworfenen Rieseneiern aus Bertas Produktion vom Hof gejagt wird: Das ist alles schon ziemlich abgefahren. Schwer beschäftigt sind die Impronauten den ganzen wunderbaren Abend auch damit, einen Riesenstapel an Ideen zum Thema "Was man nicht tun sollte beim…" abzuarbeiten. Beispiel: Welche Bemerkung sollte man sich besser beim Sex verkneifen? Antwort von Impronaut Chudoba: "Also bei Erna war es besser!" Und bei einer Beerdigung ist der Spruch am Grab "Sag doch was" ebenfalls keine wirklich gute Idee, wie Barbara Deubelbeiss anschaulich macht.

Im Laufe des Abends erleben die Zuschauer dann noch ein moderiertes Nonsens-Gespräch über modernes Waschen (O-Ton: "Auch im Knitterfreien findet man Falten"). Derweil versucht Johanna Löffel im Stile der Gehörlosen-Sprecherin dem vernommenen Unsinn noch eine mimische Untermalung zu geben: Da wird dann aus dem gesprochenen Ratschlag schon mal ein zirkusreifer Radschlag. Absurder geht’s fast nimmer.

Natürlich spielen die Impronauten bei all diesen Szenen lustvoll mit Klischees aller Art. Die Kochszene der Männer – von den Damen gespielt – ist ziemlich schnell zu Ende: "Au sch… der Kühlschrank ist leer, ich glaube wir müssen ne Pizza bestellen." Im dreigeschossigen Haus – unten ’ne Arztpraxis, oben ein Kloster und in der Mitte ein Puff – geraten die Lebensentwürfe ziemlich schnell durcheinander, als sich der Patient versehentlich in das Erotik-Etablissement verirrt und der Schönheitschirurg der Nonne zu verklickern versucht, dass ihr Busen eine plastische Vergrößerung durchaus vertragen könnte.

Warum ausgerechnet an diesem Abend eine gehörige Portion schwarzen Humors in so manche Szene rutscht, wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben. Dass die "Lehrerin" mit der Neigung zum Büroschlaf sich bei einem Beerdigungsinstitut bewerben soll, ist ja einzig dem Zuruf aus dem Dorfstübli geschuldet. Als Zugabe müssen die Impronauten schließlich eine Szene in drei Variationen spielen, in der sich drei Wildpinkler an einem Busch auf dem Jacobsweg begegnen. Goethes Faust lässt grüßen, und in der Horrorfilm-Variante dieser Impro beginnt der Busch die drei nichtsahnenden Wanderer zu würgen. Dieses Spontan-Theater muss man wirklich mit eigenen Augen erlebt haben, um zu begreifen, was so alles aus dem Nichts gezaubert werden kann.

"Man muss sie erlebt haben"

Die Impronauten in Maulburg
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